Was versteht man unter dem Auspulsieren der Nabelschnur?

Das „Auspulsieren der Nabelschnur“ ist eine Geburtspraxis bei der die Nabelschnur nicht abgeklemmt oder durchschnitten wird bevor diese auspulsiert hat oder die Plazenta entbunden ist.

Eine zunehmende Anzahl von Eltern entscheidet sich für das Auspulsieren der Nabelschnur Ihres Kindes, während andere, vor allem in englischsprachigen Ländern, eine Lotusgeburt vorziehen.

Sollten Sie das Auspulsieren der Nabelschnur nach der Geburt planen, dann sollten Sie dies vor der Geburt mit Ihrem Krankenhaus oder Ihrer Hebamme absprechen. Da das Auspulsieren der Nabelschnur nicht standardmäßig zu jeder Geburt gehört, müssen Sie diesen Wunsch vorher äußern.

Sollte keine Vorerkrankung der Mutter oder des Babys vorhanden sein, kann man Ihnen jedenfalls keine frühzeitige Durchtrennung der Nabelschnur aufdrängen. In jedem Fall können Sie dies entweder mündlich oder schriftlich vorher ablehnen.

Die Vorteile des Auspulsierens der Nabelschnur

Für Babys

  • Eine normale und gesunde Menge an Blut für das Leben außerhalb des Mutterleibes.
  • Die größte Menge an roten Blutkörperchen, Stammzellen und Immunzellen.
  • Vorbeugung von Eisenmangel
  • Vorbeugung von Hirnblutungen und Infektionen

Für Mütter

  • Es behält die Mutter-Kind-Bindung wie sie während der Schwangerschaft vorhanden war noch in den ersten Minuten nach der Geburt bei.
  • Kann Komplikationen mit der Nachgeburt der Plazenta verhindern.

Die Blutmenge des Babys und der Übergang von Fötus zum Neugeborenen

Die Bedeutung der Blutmenge des Babys bezieht sich auf den Übergang vom Fötus zum Neugeborenen durch die Geburt.

Blutmenge

Vor der Geburt hat das Baby durch die Plazenta eine eigene Blutversorgung, die getrennt von der Blutversorgung der Mutter ist. Die Plazenta versorgt das Baby mit Sauerstoff und Nährstoffen und leitet Abfall- und Schlackenstoffe ab. Deshalb befindet sich eine signifikante Blutmenge des Babys zu jeder Zeit innerhalb der Plazenta. Aus diesem Grund ist das in der Plazenta zirkulierende Blut kein zusätzliches oder „Abfallblut“ sondern gehört dem Baby.

Direkt nach der Geburt pulsiert die Nabelschnur nach, da die Plazenta das in ihr befindliche Blut zurück zum Baby liefert um weiterhin lebenswichtigen Sauerstoff und Nährstoffe bereitzustellen. Diesen Transfer von Blut der sich über eine Minute oder mehrere Minuten nach der Geburt erstreckt nennt man plazentale Transfusion.

Die plazentale Transfusion ist ein Prozess der das Baby mit roten Blutkörperchen, Stammzellen, Immunzellen und Blutvolumen versorgt. Das Auspulsieren der Nabelschnur gibt genügend Zeit damit die plazentale Transfusion stattfinden kann und das Baby seine volle Blutmenge bekommt.

Der Übergang vom Fötus zum Neugeborenen

Durch die plazentale Transfusion erlangt das Baby eine ausreichende Blutmenge für den Übergang vom fötalen zum Neugeborenen-Leben mit eigener Zirkulation und eigener Atmung. Die Transfusion der Plazenta bereitet die Lungen des Babys auf die Atmung vor und stellt eine ausreichende Menge an roten Blutkörperchen bereit um genügend Sauerstoff durch den Körper des Babys zu transportieren.

Die plazentale Transfusion unterstützt das Neugeborene durch einen rapiden Anstieg der Blutmenge die zu den Lungen transportiert wird. Dieser Vorgang öffnet die Lungen, beseitigt Fruchtwasser und verhindert dass die Lungen kollabieren. Da das Baby weiterhin reichlich Blut aus der Plazenta bekommt, kann der Blutfluss zu den Lungen gewährleistet werden ohne diesen zu anderen Organen zu reduzieren. Das Auspulsieren der Nabelschnur ermöglicht einem Baby eine optimale Blutmenge für den sichersten Übergang vom Fötus zum Neugeborenen.

Wie kann man das Abklemmen der Nabelschnur verzögern?

Bei einer normalen Geburt kann man das Abklemmen der Nabelschnur verzögern indem man die Nabelschnur während der plazentalen Transfusion intakt lässt, bis diese aufgehört hat zu pulsieren.
Nachdem das Baby eigenständig atmet und eine volle Blutmenge hat, endet das Pulsieren und die Nabelschnur erscheint weiß und schlaff. Es kann zwischen 3 und 7 Minuten dauern bis das Baby seine physiologische Blutmenge erlangt hat, aber dieser Vorgang kann für manches Baby durchaus länger andauern.

Bei Kaiserschnittgeburten kann man das Abklemmen auch verzögern, außer in Fällen bei denen die Plazenta zerschnitten wurde oder anderweitig Schaden genommen hat. Das Baby kann niedriger als die Plazenta gehalten werden um den Bluttransfer von der Plazenta zum Baby zu fördern.

Die Verzögerung beim Abklemmen der Nabelschnur kann minimal 40 Sekunden oder länger andauern. Dies ist jedoch abhängig von den jeweiligen Umständen der Geburt.

Bei einer Lotusgeburt bleibt die Nabelschnur mit der Plazenta ohne Abklemmen am Baby.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt einen optimalen Zeitpunkt zum Abklemmen der Nabelschnur für alle Neugeborenen unabhängig von Geburtsgewicht oder Schwangerschaftsdauer. Dieser ist nach circa 3 oder mehr Minuten, wenn die Zirkulation der Nabelschnur aufhört, diese aufhört zu pulsieren und erschlafft ist.

HINWEIS: Wegen des hohen Schutzgutes der Gesundheit des Einzelnen und unseres Anspruchs an die Richtigkeit und Klarheit der hier getroffenen Aussagen weisen wir darauf hin, dass in der Benennung der beispielhaft aufgeführten Anwendungsgebiete selbstverständlich keine Heilversprechen oder die Garantie einer Linderung oder Verbesserung aufgeführter Krankheitszustände liegen können. Die Anwendungsgebiete beruhen auf Erkenntnissen und Erfahrungen in der hier vorgestellten Therapierichtung (Osteopathie) selbst. Nur in einigen Bereichen besteht eine relevante Anzahl von gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen, d. h. evidenzbasierte Studien, die die Wirkung bzw. therapeutische Wirkung belegen. Wir betrachten den jeweiligen Einzelfall, bei dem mitunter auch bei den aufgeführten Anwendungsbeispielen eine osteopathische nicht angezeigt sein kann.