Osteopathie in Großbritannien

Die Osteopathie kann in Großbritannien auf eine lange Geschichte zurückblicken und hat sich dort stetig zu einem eigenen Berufsbild weiterentwickelt.

Das erste britische Ausbildungsinstitut für Osteopathie wurde 1917 von John Martin Littlejohn gegründet, ehemaliger Schüler von Dr. Andrew Tyler Still und einst Dekan des Chicago College of Osteopathic Medicine. Littlejohn erweiterte den Lehrplan für Osteopathie um das Thema Physiologie.

Das von ihm gegründete Institut, die British School of Osteopathy, war die erste Bildungseinrichtung für Osteopathie außerhalb der USA und besteht auch heute noch als University College of Osteopathy fort. Dort setzten britische Osteopathen Behandlungsverfahren ein, die auf der Lehre von Dr. Andrew Taylor Still basieren. Sie sind allerdings keine Ärzte. Es gibt jedoch Mediziner, die nach ihrem Studium eine osteopathische Ausbildung absolvieren.

Osteopathie in Großbritannien
Osteopathie und die Ausbildung zum Osteopathen in Großbritannien (Quelle: ©cybrain / Getty Images)

Das Osteopathiegesetzt von 1993

Seit der Verabschiedung des Osteopathiegesetzes im Jahr 1993 ist der Beruf gesetzlich geregelt.

Das Gesetz sah die Schaffung des General Osteopathic Council (GOsC) vor, der die Regulierung übernehmen sollte. Nach britischem Recht muss ein Osteopath beim GOsC registriert sein, um in Großbritannien praktizieren zu können.

Der General Osteopathic Council hat die gesetzliche Pflicht, den Beruf des Osteopathen in Großbritannien zu fördern, weiterzuentwickeln und zu regulieren. Er soll die Interessen der Öffentlichkeit schützen, indem er sicherstellt, dass alle Osteopathen während ihrer gesamten beruflichen Laufbahn hohe Standards an Sicherheit, Kompetenz und professionellem Verhalten befolgen.

Um die Zulassung des General Osteopathic Councils zu erhalten, muss ein Osteopath über eine anerkannte Qualifikation verfügen, die den gesetzlichen Anforderungen des GOsC-Praxisstandards entspricht.

Das Osteopathiegesetz (1993) sieht ferner einen „Berufsbezeichnungsschutz” vor: Eine Person, die sich selbst ausdrücklich oder implizit als Osteopath, osteopathische Fachkraft, osteopathischer Arzt, Osteopathist, Osteotherapeut oder eine andere Form von Osteopath beschreibt, macht sich strafbar, es sei denn, sie ist als Osteopath eingetragen.

Ausbildungseinrichtungen für Osteopathen

In Großbritannien gibt es derzeit

  • sieben zugelassene Ausbildungseinrichtungen für Osteopathie und
  • etwa 5.000 eingetragene Osteopathen.

Einige britische Osteopathen sind auch Naturheilkundler. Eine osteopathische Ausbildungseinrichtung bietet eine duale Ausbildung für Osteopathie und Naturheilkunde (British College of Osteopathic Medicine) und eine andere ein Postgraduiertenprogramm (College of Osteopaths) an.

Im Jahr 2005 gab die britische Ärztekammer bekannt, dass in den USA ausgebildete D.O.s (Doktor der Osteopathie) das vollständige Recht auf die Ausübung ihres Berufs in Großbritannien erhalten würden. Diese Entscheidung war eine wichtige Neuerung, nachdem in Großbritannien lange Zeit nur die manuelle oder „traditionelle“ Osteopathie zugelassen war.

Osteopathie als medizinische Dienstleistung

Die meisten medizinischen Dienstleistungen in Großbritannien werden über den staatlich finanzierten National Health Service erbracht, osteopathische Behandlungen sind davon allerdings weitgehend ausgeschlossen, da die meisten Osteopathen Privatpraxen betreiben.

Obwohl der Osteopath in Großbritannien ein Beruf mit zunehmender Bedeutung ist, bestehen weiterhin Hindernisse für die osteopathische Versorgung innerhalb des staatlichen Gesundheitswesens.

Im April 2016 unterzeichnete der General Osteopathic Council in Großbritannien eine Absichtserklärung mit dem Osteopathy Board of Australia, dem Osteopathic Council of New Zealand und dem Australasian Osteopathic Accreditation Council, um den Informationsaustausch zwischen den Ländern zu fördern, Regulierungsprozesse zu straffen und bewährte Verfahren und damit verbundene Aktivitäten zwischen internationalen Regulierungsbehörden für Osteopathen auszutauschen.

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